als Antwort auf den Leserbrief Realitätsferne von Herrn Angersbach im KA vom 06.10.14

Sehr geehrter Herr Angersbach,

ich bin es eigentlich gewohnt, mich mit Menschen, die nicht meiner Meinung sind, auf der Basis einer sachlichen Streitkultur auseinanderzusetzen. Deshalb appelliere ich an Sie, wenn Sie zukünftig mit anderen Menschen in einen kritischen Dialog treten wollen, gewisse Grundregeln und Umgangsformen, wie Sachlichkeit und Kritikfähigkeit und den Respekt vor der Meinung des Andersdenkenden einzuhalten.

Und nun zu ihrer Unterstellung, Herr Hartung wäre „enorm realitätsfremd“ und hätte den „größten Dachschaden der Republik“.
Stellen Sie sich vor, Sie wären mit großer Mehrheit zum Bürgermeister einer Gemeinde gewählt worden, dessen eigene Trinkwasserversorgung gefährdet ist.
Würden Sie sich nicht wie er dagegen wehren angesichts des Schwurs im Amtseid, Schaden von den Bürgern abzuwenden und der Tatsache geschuldet, dass seine Brunnen die letzten sind in der Region, die noch nicht wegen Versalzung abgeschaltet werden mussten ?
So ist die Realität und Herr Hartung versucht nichts anderes, das zu verhindern und findet dafür nicht nur in seiner Kommune große Unterstützung.
Trinkwasser ist ein teures unersetzbares Gut, unser wichtigstes Lebensmittel und sollte deshalb, so wie es das Gesetz vorschreibt, geschützt werden vor schädigenden Umwelteinflüssen, wie z.B. vor der Verpressung von Kalilauge.
Deshalb kann eine Strategie, wie zwischen K+S und der hessischen Landesregierung kürzlich vereinbart, die Laugenverpressung bis 2021 fortzusetzen nicht als umweltbewusst und nachhaltig, so wie von Ihnen dargestellt, bezeichnet werden.
Das ist der falsche Weg, denn nur eine abstoßarme bzw. abstoßfreie Kaliproduktion, wie inzwischen von der breiten Öffentlichkeit gefordert und bereits in anderen Ländern schon angewendet, ist zukunftsträchtig für das Unternehmen und damit für ihre Arbeitsplätze.

Dabei die Erhaltung Ihrer Arbeitsplätze zu binden an die Festschreibung der jetzigen Entsorgungswege finde ich unseriös, weil dadurch zum einen bei Ihnen ungerechtfertigte Zukunftsängste geschürt werden und zum anderen dieses Todschlagargument als Druckmittel gegenüber der Politik missbraucht wird.

Übrigens ich konnte die Entwicklung der Werra über vierundsechzig Jahre mitverfolgen und kann deshalb auch bestätigen, dass sich die Versalzung nach der Wende verringert hat. Außer Acht darf man dabei jedoch nicht lassen, dass diese positive Entwickllung nicht möglich gewesen wäre ohne die Schließung thüringer Kaliwerke und den damit verbundenen Verlust von tausenden Arbeitsplätzen.

Die Entwicklung der Werra zu einem naturnahen Gewässer noch einmal auszudehnen auf einen Zeitraum von über sechzig Jahre ist deshalb nur schwer vermittelbar und nicht generationengerecht.



Mit freundlichen Grüßen
Klaus Reinhardt