Sehr geehrter Herr Steiner,

 

 

mit Interesse haben wir den Anfang Ihrer Rede zur Hauptversammlung am 14.05.13 zur Kenntnis genommen, wo Sie sich mit dem schleichenden  „Gedächtnisverlust" in der Bevölkerung bezogen auf den Widerstand gegen industrielle Großobjekte und damit in Verbindung mit der  „Dagegen"-Gesellschaft kritisch auseinandersetzen.

 

Sicherlich haben Sie recht, dass Wachstum notwendig ist für Wohlstand und Lebensqualität und dass Kali dazu einen Beitrag leistet.

Inzwischen ist man jedoch zu der Erkenntnis gekommen, dass der Wachstumswahn die Lebensgrundlagen gefährdet.

Wasser und Bodenvergiftung, Ressourcenverbrauch und Müll-Lawinen, Zerstörung der Ozonschicht, Wald- und Artensterben, Gefahr einer Klimakatastrophe, diese und ähnliche Hiobsbotschaften gehören zum täglichen Vokabular der Medien und Politik.

 

Jeder weiß von den Gefahren, trotzdem sägen wir uns den Ast ab, auf dem wir sitzen. Dabei gibt uns die Natur die Regeln vor, denn kein Baum wächst in den Himmel, selbst der Mensch hört mit 20 Jahren auf zu wachsen.

Endloses Wachstum in einer endlichen Welt, das kann nicht gut gehen.

Handeln wir nicht verantwortungslos gegenüber den nachfolgenden Generationen, wenn wir uns dem Slogan hingeben „Wachstum, bis die Umwelt stirbt"

Selbst die Bundeskanzlerin stellt auf dem Kirchentag in Hamburg fest, dass wir auf Kosten der Zukunft leben. Leider fehlte von Ihr die Aussage, was wir dagegen unternehmen müssen.

Müssen wir nicht unbedingt gegensteuern, bevor es zu spät ist und nicht zulassen, dass Wachstum ungerechtfertigt hoch zu Lasten der Umwelt geht.

 

Und hier sind wir der Meinung, dass Sie in gewisser Beziehung  „Gedächtnisverlust" mit Verantwortung verwechseln.

 

Nach wie vor leben wir in einem Rechtsstaat, der vorsieht, dass z.B. bei umweltrelevanten behördlichen Entscheidungen die Bevölkerung frühzeitig einzubeziehen und nachzuweisen ist, dass die zu genehmigende Maßnahme umweltverträglich ist.

Wenn versucht wird dieses Recht auszuhebeln, dann erleben wir solche Skandale wie z.B. in Stuttgart (Stuttgart 21), in Hamburg (Elbphilharmonie))

oder wie in Berlin ( neuer Hauptstadtflughafen), Milliardengräber, wofür wir alle bezahlen.

 

Ist es nicht dann ein urdemokratischer Reflex, dass sich die Menschen in Bürgerinitiativen und Interessengruppen zusammenschließen, um gegen fragwürdige behördliche Entscheidungen vorzugehen, wenn z.B. die Ausgewogenheit zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung fehlt.

 

Wir als Bürgerinitiative fühlen uns nicht als ein Teil der Nur-„Dagegen"-Gesellschaft, wie Sie es bezeichnen, wir sind für eine intakte Kaliindustrie, die durch eine umweltgerechte Produktion- und Entsorgungspraxis und weitestgehende Schonung der Ressourcen langfristig die Kaliarbeitsplätze sichert, wir sind jedoch gegen die Gefährdung der  letzten Trinkwasserressourcen in unserer Region durch Laugenverpressung, gegen die weitere Aufhaldung und Einleitung von Rückständen, die noch über Jahrhunderte das Ökosystem Werra-Weser belasten würden, nicht mehr und nicht weniger wollen wir.

 

Sehr geehrter Herr Steiner,

 

Sie appellieren diesbezüglich in Ihrer Rede an die Verantwortung aller Beteiligten und sprechen davon, dass wir grundsätzlich gut „miteinander auskommen" könnten.

Wir sind nach wie vor dafür, wenn es denn gewollt ist, unserer gemeinsamen Verantwortung für ein lebenswertes Werratal gerecht zu werden, natürlich nicht bedingungslos.

Bitte werden auch Sie Ihrer großen Verantwortung gerecht und richten Ihr Unternehmen zukunftsträchtig aus, indem Sie alle Möglichkeiten für eine

rückstandslose -bzw. rückstandsarme Produktion ausschöpfen.

 

Auch wenn es dafür einige positive Ansätze gibt, reichen die momentanen Anstrengungen noch nicht aus, um dem gerecht zu werden.

Deshalb werden wir so lange nicht nachgeben, bis es Chancen gibt, uns auf gleicher Augenhöhe in unseren Positionen weitestgehend anzunähern.
 

Mit freundlichen Grüßen

 

gez. Klaus Reinhardt

Vorsitzender der Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Werratal"