Stand der Technik herstellen!

Das Rennen um die wahrscheinlich letzte große Salzlagerstätte Deutschlands im mittleren Unstruttal bei Roßleben geht in die heiße Phase.
Zwei große Spieler auf dem Kali-Düngemittelweltmarkt, die K+S-AG und ein Konsortium um die israelische ICL-Gruppe haben ihre Bewerbung eingereicht.
Und siehe da, die Kali-Umwelttechnik GmbH Sondershausen (K-UTEL) legte im Auftrag der ICL-Gruppe ein Unternehmenskonzept vor, wo auf eine Produktion ohne die bisher gebräuchlichen Aufhaldungen über Tage und Laugeneinleitungen verzichtet wird. Der mehrstufige Verarbeitungsprozess aus einer Kombination von "trockenen" mechanischen Aufbereitungsschritten und "nasser" klassischer Verarbeitungsschritte wird bereits in Referenzobjekten in Großbritannien und in der Ukraine umgesetzt.

Nun stellt sich die Frage, warum K+S mit Rückendeckung der Behörden vehement behauptet hat, dass die jetzige Entsorgungspraxis der Stand der Technik wäre.
Schon vor einem Jahr wurden ähnliche Verfahrensvorschläge der Werra-Weser-Anrainer-konferenz als ökonomisch und ökologisch nicht durchführbar bezeichnet.
Es ist schwer vorstellbar, dass ein weltweit operierendes Unternehmen keine Kenntnis von diesen neuen innovativen Verfahren gehabt hat.
Warum wurden sie bisher verschwiegen?
Im Gegenteil, man benutzt den Runden Tisch, der nach neuen Lösungen suchen soll, um die Bevölkerung angesichts des Protests gegen die jetzige Entsorgungspraxis zu beruhigen und um Zeit zu gewinnen.
Nun holt K+S, durch das bevorstehende Ende der Laugenverpressung in Bedrängnis geraten, zum Befreiungsschlag aus und präsentiert ein Maßnahmepaket zur Laugenreduzierung. Das ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch letztendlich nicht ausreichend und 5 - 6 Jahre zu spät. Ebenfalls bietet K+S im Bewerbungsrennen um Roßleben, um offensichtlich die eigenen Chancen zu verbessern, ein Konzept mit einer geringeren Einleitung von Salz- abwässern in die Unstrut und höherem Einbau des Abraums unter Tage an.
Also geht es doch!

Versteht man darunter das von K+S so oft proklamierte gemeinsame Ringen um die Verträglichkeit von Ökonomie, Ökologie und Wachstum?

Wir wollen hier Klarheit und haben deshalb unseren Rechtsanwalt Möller-Meinecke beauftragt, das Regierungspräsidium Kassel aufzufordern, die von K+S praktizierte Aufhaldung von Abfällen in dieser Form zu untersagen, da sie nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.

In einem entsprechenden Schreiben, welches dem Regierungspräsidium Kassel am 12.02.2008 zuging, wird mit Nachdruck verlangt, dass nun endlich die Behörde seiner gesetzlichen Pflicht nachkommt und ein Sachverständigengutachten zum Stand der Technik und damit zur Vermeidung von Umweltbelastungen in Auftrag gibt.

Für dieses Jahr kann man nur hoffen und wünschen, dass durch mehr Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit der Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik auch mehr Vertrauen geschaffen wird. Das ist die Grundlage, um eine für alle Seiten verträgliche Lösung zu finden.


Klaus Reinhardt
BI "Für ein lebenswertes Werratal"