Sehr geehrter Herr Steiner,
einem in der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen erschienen Artikel können wir entnehmen, dass die
K+S AG 10.000 Euro für Flutopfer spenden will. Sie melden sich in dieser Abgelegenheit höchstpersönlich
zu Wort. Mitarbeiter Ihres Unternehmens treten mit dem Firmenlogo und dem geschmackvollen Motto
„Feste feiern - feste spenden" vor die Kamera.
„Tue Gutes und rede darüber" ist häufig das Motto von Werbeabteilungen. Allerdings sollte man darauf
achten, sein Gesicht nicht zu verlieren, denn Marketing auf Kosten menschlichen Leids wird als besonders
schäbig empfunden.
In diesem Fall hätten Sie tatsächlich besser geschwiegen, denn
wir wissen, dass die K+S Kali GmbH hohe Wasserstände der Werra ausnutzt, um sich der in den Stapelbecken
angesammelten Abwässer zu entledigen. Bedingt durch die Verpressung von Abwässern
in den Untergrund gelangt Salzwasser unkontrollierbar und in einem solchen Ausmaß
in die Werra, dass der Fluss die im Werra- und Fuldarevier erzeugten Abwässer bei
normalem Wasserstand nicht mehr vollständig aufnehmen kann.
wir wissen, dass die K+S Kali GmbH an der Werra ein solches Entsorgungschaos angerichtet hat, dass
sie ab 2017 eine neue Einleitstelle für ihre Abwässer an der Oberweser benötigt. Ohne diese
neue Einleitstelle würde das Unternehmen gegen das Verschlechterungsverbot der EUWasserrahmenrichtlinie
verstoßen. Auch an der Weser soll hoher Wasserstand ausgenutzt
werden, um die bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter Abwasser in den Fluss zu leiten, die in den
dort geplanten Stapelbecken angesammelt werden können.
wir wissen seit der letzten Sitzung des so genannten Runden Tisches, dass die K+S Kali GmbH noch
nicht einmal 80.000 Euro aufwenden will, um mit modernen Verfahren die Versalzung von
Werra und Weser zu vermindern. Für diese Summe hätte die K-UTEC AG eine technischökonomische
Machbarkeitsstudie für acht Abwässer der K+S Kali GmbH angefertigt.
wir wissen, dass die Versalzung von Werra und Weser Schäden von vielen hundert Millionen Euro verursacht:
Versalzung von Trinkwasserbrunnen und des Uferfiltrats, die ökologische Katastrophe
in der Werra, Schäden an Schlagden, Schleusen, Brücken und Kraftwerken, die Beeinträchtigung
des touristischen Entwicklungspotentials, all dies müssen die Anrainer hinnehmen.
Schäbige 10.000 Euro können die von der K+S Kali GmbH angerichteten Schäden
nicht ausgleichen.
wir wissen, dass Anrainer von Werra und Weser einige hunderttausend Euro aufwenden mussten, um
sich gerichtlich gegen die Entsorgungspraxis der K+S Kali GmbH wehren zu können.
Sehr geehrter Herr Steiner,
wenn Sie sich wirklich sozial engagieren wollen, dann wäre es angebracht, vor der eigenen Türe zu kehren.
Sorgen Sie für eine Beendigung der hundertjährigen Versalzung des Trinkwassers, der Werra und
der Weser. Schließlich sind es auch Ihre Abwässer, die den Anrainern von Werra und Weser durch die
Wohnzimmer fließen. Sperren Sie sich nicht länger gegen die Entwicklung von Verfahren, die uns und Ihnen
eine Last abnehmen können.
Darüber dürfen Sie auch gerne öffentlich reden. Ich lade Sie ein, zur Verkündigung einer entsprechenden
Nachricht nach Witzenhausen zu kommen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Walter Hölzel
Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V.