Gegner der Müllverbrennungsanlage in Heringen gehen weiter von Fehlern im Genehmigungsverfahren aus.

Die Bürgerinitiative (BI) Für ein lebenswertes Werratal klagt gegen den Bau des Müllofens im hessischen Heringen. Der Genehmigungsbescheid für die Anlage enthalte gravierende Fehler, sagte der von der BI beauftragte Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke in der von 300 Interessenten besuchten Informationsveranstaltung in Dippach.

DIPPACH. Unberücksichtigt sind die Hanglage und die Blockade durch die Werraberge im Süden geblieben, sagte der Anwalt am Dienstagabend. Verkannt worden wären zudem die austauscharme Wetterlage und die hohe Vorbelastung. Fehler innerhalb der Immissionsprognose und die Tatsache, dass keine Wetterdaten vor Ort erhoben worden seien, kommen laut Rechtsbeistand noch hinzu. Mit dem neuen Müllofen habe man ein Modell gewählt, das der Besonderheit des Werratals nicht gerecht wird, so die Auffassung der BI. Nach der Immissionsprognose des Münchner Ingenieurbüros Schorling & Partner drohe den Anwohnern eine Gesundheitsgefährdung. Viele Schadstoffe würden zudem von den nicht abgedeckten Halden und der ESTA-Anlage seit Jahrzehnten verweht.

Darüber hinaus hat Dr. Schorling den Nachweis erbracht, dass die vom Antragsteller der MVA verwendeten Berechnungsverfahren die tatsächlich auftretenden Belastungen weit unterschätzen. Nach den Ergebnissen der von der BI in Auftrag gegebenen Gutachten darf die Anlage nicht in Betrieb gehen. Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke zeigte sich anhand der Gutachten zuversichtlich, was die Klage der BI angeht. Er hofft auf die Hauptverhandlung im späten Frühjahr. Bereits in vier Wochen soll der Probebetrieb in Heringen aufgenommen werden.

Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung (pl) erläuterte den Vertrag zwischen Hessen, Thüringen und K+S. Das unterzeichnete Dokument sei unbefriedigend, obwohl echte Alternativen wirtschaftlich und ökologisch möglich seien. K+S würden für die nächsten 30 Jahre alle Rechte zugebilligt, während die Entsorgung der Abfälle weiter zu Lasten der Umwelt und der Menschen im Werratal erfolge. Er kündigte an, auf seinen Sitz am Runden Tisch in Kassel zu verzichten. Als Begründung nannte er die Art und Weise des Zustandekommens des Vertrags, aber vor allem den vollkommen überhasteten Abschluss der jetzt geschlossenen Vereinbarung.
Wenn man von Kali und Salz redet, dann richtet das sich nicht gegen die dort Beschäftigten, sondern viel mehr gegen die Führungsetage, sagte BI-Vorsitzender Klaus Reinhardt eingangs. Die Veranstaltung habe wieder einmal bewiesen, wie weit sich die Regierenden von den Bürgern weg bewegen, kommentierte der Vorsitzende. Er forderte auf, sich nicht entmutigen zu lassen. Besiegt ist nur, wer sich geschlagen gibt. Wer schweigt, stimmt zu, fügte Klaus Reinhardt hinzu.

Von Monika GEBHARDT

Quelle: TA vom 12.02.2009 Eisenacher Lokalteil S. 2